Laudatio auf Dipl.-Pädagogen Werner Klein Diplom-Pädagoge Werner Klein, Ministerialrat im Kultusministerium des Landes Hessen, wurde am 18. 11. 2005 in der Hessischen Staatskanzlei die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Herr Klein und seine Gattin Ritamarie sind seit vielen Jahren Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V. Bei der Überreichung der hohen Auszeichnung hielt Prof. Dr. Cornelius Petrus Mayer OSA folgende Laudatio auf den Laureat. Sehr verehrte Frau Ministerin Wolff, verehrte Festversammlung, lieber Laureat Werner! Es ist in dieser Runde kein Geheimnis, dass ich durch meinen Antrag ein Glied in der Kette derer bin, die zu dieser Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an einen ihrer Bürger im Land Hessen beigetragen haben. Ich begann diesen Antrag mit dem lateinischen Sprichwort: «Honor debetur optimis. Seine Besten ehrt der Staat, indem er ihnen das Bundesverdienstkreuz verleiht». Aus dem Bündel der Gründe zu jenem Antrag will ich nur den erwähnen, der m.E. gerade im Hinblick auf das Kultusministerium, in dem unser Laureat zur Zeit wirkt, mir der bedeutendste zu sein scheint. Werner Klein ist ein exzellenter Pädagoge, ein begnadeter Erzieher. Nicht erst seit PISA weiß man um die Bedeutung der Pädagogik bei der Wissensvermittlung. Zweifelsohne ist das Wissen wesentlicher Bestandteil der Bildung heute mehr denn je Garant des Wohlstands jedweder Gesellschaft. Indes, Bildung ist mehr als Wissen. Die Erziehungs- und Bildungsideale der Griechen gehören nicht zuletzt deshalb immer noch zur Wiege unserer Kultur. Das griechische Wort παιδεία mit der Bedeutung sowohl der Erziehung, des Unterrichtes und der Lehre wie auch der dadurch gewonnenen Bildung, der Wissenschaft und der Kunstfertigkeit illustriert diesen Sachverhalt aufs Deutlichste. Kein Wunder, wenn die Philosophen mit Platon an der Spitze der παιδεία ihre größte Aufmerksamkeit widmeten. Konsequent forderten sie nicht nur eine Kontrolle des Bildungsstoffes, sondern auch der Auswahl der Pädagogen. Verzeihen Sie mir diesen Ausflug in die Anfänge unserer abendländischen Kulturgeschichte, aber es geht mir um das angemessene Verständnis für den allzeit aktuellen Vorrang der Pädagogik und der Pädagogen in jeder Gesellschaft; es geht mir freilich zugleich auch um den Anspruch, den die Gesellschaft an ihre Lehrerschaft stellt. Was erwartet sie, wenn nicht das Beste bei der Erziehung ihrer Kinder, die ihr Bestes sind. Und wem sollte sie dieses Beste anvertrauen, wenn nicht den Besten? In dem immer noch lesenwerten Buch des Römers Marcus Fabius Quintilianus Über Pädagogik und Rhetorik das Werk entstand im ersten Jahrhundert nach Christus gibt es ein Kapitel über das Bild des Lehrers. Wenn Kinder so weit sind, dass sie dem Unterricht folgen können, dann soll man sie zu einem Lehrer bringen, rät Quintilian. Dabei solle man sich zunächst dessen Eignung ansehen. Der Lehrer solle seinen Schülern gegenüber wie ein Vater gesinnt sein und seinen Beruf so ansehen, als trete er an die Stelle derer, die ihm ihre Kinder anvertrauen. Es folgt dann eine Anzahl von Forderungen über die Qualifizierung des Lehrers. Dieser so die Quintessenz jenes Kapitels habe in der Gesellschaft ganz einfach der Beste zu sein. Ich bin gebeten worden, mich kurz zu fassen. Ehre gebührt den Besten, damit begründete ich, wie gesagt, meinen Antrag. Werner Klein, Ministerialrat im Kultusministerium des Landes Hessen, zählt in seinem Beruf als Diplompädagoge mit zu diesen Besten. Wir freuen uns mit ihm, wenn der Staat ihn auf seine Weise ehrt. Lassen Sie mich noch etwas hinzufügen: Werner Klein verbrachte als Gymnasiast einige Jahre im Internat eines Augustinerklosters, das ich seinerzeit leitete. Er wurde dort im Geiste augustinischer Spiritualität erzogen. Der Kirchenvater Augustinus war von Beruf ebenfalls Lehrer, Pädagoge und er blieb dies auch als Bischof. An den Jahrestagen seiner Bischofsweihe pflegte er über seine episkopal-pädagogischen Aufgaben zu predigen. Als Aufgaben zählt er auf: «Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, ... Ungebildete lehren, Träge wachrütteln, Händelsuchende zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Streitende besänftigen, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen, und ach: alle lieben». Mögest Du, lieber Werner, noch manche Jahre diese christlich-humanistischen Prinzipien der Pädagogik Pädagogen des Landes Hessen vermitteln dürfen, das wünschen wir Dir zu Deinem Ehrentag. |