BuchbesprechungGiuseppe Micunco, Canta chi ama. La musica e il canto in sant’Agostino, Bari: Stilo Editrice, 2008. 140 Seiten. ISBN: 978-88-87781-67-0
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Das Verhältnis des heiligen Kirchenvaters Augustinus zu Gesang und Musik beleuchtet Giuseppe Micunco, Dozent für Alte Sprachen im Istituto Superiore di Scienze Religiose in Bari, in seinem empfehlenswerten Bändchen „Canta chi ama. La musica e il canto in sant’Agostino“, das Mommo Falco, der Direktor des Nationalen liturgischen Büros der Italienischen Bischofskonferenz, mit einem Vorwort versehen hat. Er erinnert darin an die besondere Bedeutung des liturgischen Gesanges, die Papst Benedikt XVI. in seinem nachsynodalen Schreiben „Sacramentum Caritatis“ noch einmal nachdrücklich hervorgehoben hat. Micuncos kleines Buch gliedert sich in drei Abschnitte. Im ersten stellt Micunco die autobiographischen Bezüge des Kirchenvaters zu Musik und Gesang vor. Schon von seiner Profession als Rhetor her war Augustinus mit den Problemen von Rhythmus und Melodie vertraut; denn das klassische Latein, das es zu beherrschen galt, war eine „musikalische Realität“, wie Micunco es ausdrückt. Auf Basis der in seinem ursprünglichen Beruf erworbenen Kenntnisse verfasste Augustinus später eine Schrift De musica (über die Musik), die sich vor allem mit metrischen Problemen beschäftigt. Für die Konversion Augustins zum Christentum waren auch Musik und Gesang von entscheidender Bedeutung: Der von Ambrosius in der Kirche von Mailand eingeführte Gemeindegesang hinterließ bei Augustinus tiefe Eindrücke. Als Bischof förderte Augustinus dann selbst den Kirchengesang. Der Lobgesang für Gott sollte seinem Willen nach den Menschen helfen, den Geist vom Körperlichen zum Unkörperlichen, vom Sichtbaren zum Unsichtbaren, von den Dingen dieser Welt zu Gott zu erheben. Der zweite Abschnitt führt in die Musiktheorie Augustins ein, nicht zuletzt ausgehend von der Schrift De musica. Für den Kirchenvater war die Musik eine Wissenschaft vom Maß und vom rechten Verstehen. Micunco zeigt mit vielen Zitaten aus den Schriften Augustins, wie dieser über das Wahre, das Gute und das Schöne dachte. Der dritte Abschnitt zeigt die eminente Bedeutung auf, die Musik und Gesang in der pastoralen Tätigkeit des Bischofs von Hippo hatten. Er ist reich durchsetzt mit Zitaten besonders aus den Predigten Augustins, gerade den in den Enarrationes in Psalmos gesammelten. Die Psalmen, die im Gottesdienst zwischen der Lesung und dem Evangelium von der Gemeinde gesungen wurden, bildeten häufig den Ausgangspunkt für die Ausführungen des Predigers Augustinus; Wort für Wort legte er dann den betreffenden Psalm aus und erklärte die in ihm verborgenen Wahrheiten. Der Gesang der Christen sollte zeigen, dass sie durch die Taufe zu „neuen Menschen“ geworden waren. Er sollte ein „neues Lied“ sein (eine Wendung, die in den Psalmen häufig vorkommt), ein Jubellied der Erlösten. Und er sollte vernunftgemäß sein; die Christen sollten es nicht machen wie die Heiden, die ihren Götzenbildern Loblieder sangen, ohne zu wissen, was sie taten. Der christliche Kultus sollte vernunft- und geistgemäß sein. Das Buch der Psalmen schenkte der christlichen Gemeinde die passenden Gesänge für jedes Fest und für jede – freudige oder bedrängnisreiche – Situation. Mit großem Interesse erfährt man unter anderem, welche symbolischen Deutungen Augustinus den in den Psalmen erwähnten Musikinstrumenten zuteil werden ließ. So sah er in den zehn Saiten des Psalterium die zehn Gebote versinnbildlicht. Micuncos kleine Monographie über Augustinus und die Musik ist zugleich ein wertvolles Florilegium, das die wichtigsten Äußerungen des Kirchenvaters zu diesem Thema in sich schließt. Was Augustinus über den Gesang in Kirche und Liturgie sagte, ist vielleicht gerade heute wieder bedenkenswert: in einer Zeit, deren Aufgabe nicht zuletzt die Überwindung der liturgischen Krise ist, die zugleich eine Krise der Kirchenmusik ist. Was aber rechte Kirchenmusik bedeutet, das hat ein großer Augustinus-Kenner unserer Tage mustergültig formuliert, und wir meinen in diesen Worten ein modernes Echo Augustins zu vernehmen: „Sie legt den verschütteten Weg zum Herzen, zur Mitte unseres Seins frei, dahin, wo es sich mit dem Sein des Schöpfers und des Erlösers berührt. Wo immer dies gelingt, wird Musik die Straße, die zu Jesus führt; der Weg, auf dem Gott sein Heil zeigt“ (Benedikt XVI.). Clemens Schlip » Verlagshomepage mit Online-Bestellmöglichkeit
» Eintrag in der Datenbank der Augustinus-Sekundärliteratur Veröffentlicht: 20.12.2011
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