ZENTRUM FÜR AUGUSTINUS-FORSCHUNG

AN DER JULIUS-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT WÜRZBURG

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Fecisti nos ad te, domine, et inquietum est cor nostrum donec requiescat in te.

Confessiones 1,1

Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.

Bekenntnisse 1,1

Theologisches Ringen in der Spätantike

Augustins antiarrianische Schriften in deutscher Übersetzung

Von Christof Müller

Christus, der Logos – ist er Geschöpf Gottes oder seinerseits Gott? Und wenn seinerseits Gott – ist er Gott Vater dann ähnlich oder ist er ihm wesensgleich? Und wenn wesensgleich – wieso und inwiefern ist er dann Gottes Sohn? Derlei Fragen prägten das theologische Ringen im dritten und vierten Jahrhundert und hinterließen ihre Spuren auch noch in der Zeit und in den Werken des heiligen Kirchenvaters Augustinus von Hippo (354–430), insbesondere in dessen Schriften gegen den Arianismus.

Zwar war Arius, der Namensgeber dieser einflussreichen theologischen Schule und kirchlichen Fraktion, bereits 325 wegen seiner Bestreitung der Wesensgleichheit von Gott Vater und Sohn verurteilt worden, doch in verschiedenen Filiationen behielt seine Position durchaus weiterhin Geltung, auch und gerade in Teilen des Kirchenvolkes.

So geriet im Jahre 419 Dionysius, ein Mitglied der Gemeinde Augustins, in Besitz einer arianischen ,Flugschrift‘, die er seinem prominenten Bischof überbrachte; Augustinus reagierte sofort mit der Gegenschrift „Contra sermonem Arrianorum“.

Gut ein Jahrzehnt später wurde er erneut mit dem Arianismus konfrontiert, als ein Amtsbruder ihn um theologische und rhetorische Schützenhilfe in einer öffentlichen Diskussion mit dem homöischen (die Ähnlichkeit von Vater und Sohn lehrenden) Bischof Maximinus bat – die Mitschrift dieser Debatte ist unter dem Titel „Collatio cum Maximino Arrianorum episcopo“ als Teil des augustinischen Oeuvres überliefert.

Exzellente Einführung und Kurzkommentierung

Da Maximinus in den Ohren der Zuhörer und wohl auch in der Wahrnehmung Augustins jedoch nicht hinreichend klar niedergerungen werden konnte, verfasste der mittlerweile berühmte Bischof von Hippo wenig später eine noch schärfer und systematischer argumentierende Widerlegung „Contra Maximinum“, in die er die Früchte seiner jahrelangen Reflexionen über die Trinität und über den Christus-Logos einbringen konnte.

Die drei genannten Schriften Augustins liegen nun erstmals in deutscher Übersetzung vor, und zwar als Teil des groß angelegten und mittlerweile zügig angelaufenen Projekts einer deutschen Gesamtausgabe, die für die Augustinus-Forschung, vor allem aber im Blick auf eine breitere Rezeption auch entlegenerer Schriften des Kirchenvaters, bislang ein schmerzliches Desiderat war.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger als nützlich

Den vor allem in Tübingen forschenden und lehrenden Herausgebern der Gesamtausgabe ist zu gratulieren, dass sie für die Übertragung wie auch für die Einführung und Kurzkommentierung der antiarianischen Werke Augustins den höchst renommierten Patrologen Hermann-Josef Sieben SJ gewinnen konnten, der seine Aufgabe erwartungsgemäß mit Souveränität löst.

Gerade für in der Patristik nicht unmittelbar behauste Leser erschließen Siebens Erklärungen den historischen wie auch werkimmanenten Rahmen, innerhalb dessen die teilweise sehr speziellen Repliken und Reflexionen der antiarianischen Schriften Augustins erst verstehbar sind – ganz zu schweigen vom breiten Nutzen der Übersetzung.

Der Fachwissenschaftler im engeren Sinne hingegen erfährt durch diese Veröffentlichung kaum einen substanziellen Erkenntnisfortschritt: Der lateinische Text reproduziert beziehungsweise reduziert bereits vorhandene kritische Editionen; die Bibliographie präsentiert sich als sinnvoll ausgewählt, aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit; Einleitung und Kurzkommentare fassen bereits Erforschtes zusammen. Kurzum: das Opus ist nicht mehr, freilich auch nicht weniger als nützlich.

Angesichts dessen ist es zwar unschön, aber verschmerzbar, dass dem frisch gedruckten Buch gleich beim ersten Zugriff ein Zettelchen mit ,Corrigenda‘ entschwebt.

Der Verfasser ist Mitarbeiter des Zentrums für Augustinus-Forschung an der Universität Würzburg

Augustinus, Opera – Werke, Band 48: Antiar(r)ianische Schriften. Zweisprachige Ausgabe, eingeleitet, übersetzt und herausgegeben von Hermann-Josef Sieben, Schöningh Verlag, Paderborn 2008, gebunden, 485 Seiten, ISBN-13: 9783506757340, ISBN-10: 3506757342, EUR 64,–

© ‹Die Tagespost – Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur› vom 04.08.2009, Seite 7

Wir danken dem Verlag J.W. Naumann für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung in unserem Webportal.

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