ZENTRUM FÜR AUGUSTINUS-FORSCHUNG

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Fecisti nos ad te, domine, et inquietum est cor nostrum donec requiescat in te.

Confessiones 1,1

Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.

Bekenntnisse 1,1

Wie das Bekenntnis zum dreieinen Gott das Leben des Bischofs Athanasius von Alexandrien (ca. 300−373) prägte. Ein fiktives Interview im Rahmen einer Kirchenväter-Serie der überregionalen katholischen Wochenzeitung Die Tagespost. VON UWE MICHAEL LANG C.O.

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Athanasius der Große Streitbar für das biblische Gottesbild: Athanasius von Alexandrien. − Bildquelle: wikimedia commons

Eure Heiligkeit, von 328 bis 373 leiteten Sie die Ortskirche von Alexandrien, der Metropole des östlichen Mittelmeerraums. In dieser Zeit wuchs das Christentum, war aber auch von Herausforderungen und Kämpfen gezeichnet. Was hat Sie in diesen bewegten Jahren am stärksten geprägt?

Zweifellos das Konzil von Nizäa im Jahr 325. Der Priester Arius aus Alexandrien hatte zu lehren begonnen, dass Jesus Christus nicht wahrer Gott sei, sondern ein geschaffenes Wesen. Arius ehrte unseren Herrn als heiligen und vollkommenen Mittler zwischen Gott und den Menschen, reduzierte ihn aber auf ein Geschöpf.

Die Heilige Schrift und die apostolische Überlieferung lehren die Gottheit Christi unmissverständlich, etwa der Prolog des Johannesevangeliums. Wie kam Arius auf seine Theorie?

Arius hat zu Recht das alttestamentliche Gebot von der Einzigkeit Gottes ernst genommen, schloss aber daraus, dass Christus nicht wahrer Gott sein könnte. Dabei hat er nicht sehen wollen, dass Jesus von Nazareth sich als der ewige und Mensch gewordene Sohn des himmlischen Vaters offenbart.

Die Bischofsversammlung von Nizäa, die als erstes ökumenisches Konzil gilt, hat ein Glaubensbekenntnis formuliert, in dem unser Herr Jesus Christus als «wahrer Gott vom wahren Gott» bezeugt wird. Mit der Bekräftigung, dass der Sohn «wesensgleich» mit dem Vater ist, wurde eine klare Trennlinie zur arianischen Position gezogen. Um dieses Wort gab es nach dem Konzil über Jahrzehnte hinweg Streit. Gestatten Sie mir die Beobachtung, dass Sie selbst sehr hart in der Sache waren. Hätte man nicht einen tragbaren Kompromiss finden können?

Wir können Jesus Christus nicht auf ein erhabenes moralisches Vorbild reduzieren, wie das auch heute oft geschieht

Sie müssen bedenken, worum es hier wirklich geht! Wir können Jesus Christus nicht auf ein erhabenes moralisches Vorbild reduzieren, wie das auch heute oft geschieht. Nein, er ist der Gott-mit-uns, das ewige Wort, das Mensch geworden ist, um uns von Sünde und Bösem zu befreien, was wir aus unseren Kräften nie könnten. Positiv heißt das: Durch die Menschwerdung Gottes (Inkarnation) empfangen wir sterbliche Menschen Anteil am göttlichen Leben. Wie ich in meinen Reden gegen die Arianer ausführe: «Ein Geschöpf konnte die Geschöpfe nicht mit Gott verbinden, da es selbst nach dem Verbindenden sich umsehen musste, und es kann wohl auch nicht ein Teil der Schöpfung das Heil werden für die Schöpfung, da auch dieser der Rettung bedurfte. Um nun dies zu verhindern, sendet Gott seinen Sohn, und dieser wird Menschensohn, indem er das geschaffene Fleisch annimmt, damit er, da ja alle dem Tode unterworfen sind, verschieden von allen, selbst für alle seinen eigenen Leib dem Tode preisgebe und ... alle von nun an durch ihn von der Sünde und ihrem Fluch frei würden.»

In diesem Zusammenhang sprechen Sie von der «Vergöttlichung» des Menschen. Das bedeutet aber nicht, dass wir durch die Rettung, die Christus uns bringt, wie Gott werden? Das war doch die Versuchung der Schlange im Paradies?

Darf ich hier aus meinem Werk «Über die Menschwerdung des Wortes» zitieren: «Denn er wurde Mensch, damit wir vergöttlicht würden. Er offenbarte sich im Leib, damit wir zur Erkenntnis des unsichtbaren Vaters gelangten; er ließ sich die Gewalt der Menschen gefallen, damit wir die Unsterblichkeit ererbten.» Durch seine Auferstehung hat Christus den Tod vernichtet «wie Stoppel im Feuer». Sicher bleibt der grundlegende Unterschied zwischen Gott, dem Schöpfer, und uns, der Schöpfung. Zugleich aber erhalten wir «Anteil an der göttlichen Natur» (2 Petrus 1, 4).

Kann man die Teilhabe an der göttlichen Natur als Verheißung der himmlischen Herrlichkeit verstehen?

Was ihre Vollendung betrifft, ist das richtig, allerdings beginnt diese Teilhabe schon im hiesigen Leben durch das Sakrament der Taufe, das wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes empfangen. Wie ich an meinen Freund Serapion, Bischof von Thmuis, schreibe: «Durch den Geist haben wir an Gott teil. Dadurch, dass wir am Geist teilhaben, werden wir der göttlichen Natur teilhaftig ... Deswegen sind die, in denen der Geist wohnt, vergöttlicht.» Die Wirkung des Geistes zeigt sich im Leben nach den Geboten Gottes.

Zu Ihren populärsten Werken gehört das Leben des heiligen Antonius. Dieses Buch machte das Mönchtum im lateinischen Westen bekannt. Wollten Sie in dieser Biografie einen Menschen vorstellen, dessen Leben zeigt, was es heißt, Anteil an der göttlichen Natur zu haben?

So ist es. Dem Eremiten und Mönchsvater Antonius war ich persönlich eng verbunden, und er hat mich treu unterstützt im Kampf um Nizäa. Antonius zog sich in die Wüste zurück, um Christus ungeteilten Herzens in Gebet und Entsagung nachzufolgen, und so wurde er zu einer Inspiration für unzählige Christen weit über Ägypten hinaus. Gott schenkte uns diesen Heiligen als «eine Leuchte, damit alle, die von ihnen reden hören, wissen, dass es möglich ist, den Geboten zu folgen, und damit sie Mut schöpfen, den Weg der Tugend einzuschlagen».

Die arianische Krise ist auch von politischen Verstrickungen geprägt. Dabei war die Rolle der römischen Kaiser ambivalent. Die konstantinische Dynastie hat immer wieder in die Diskussion eingegriffen und schreckte auch vor politischem Zwang nicht zurück.

Kaiser Konstantin gebührt das immerwährende Verdienst, die Christenverfolgung im römischen Reich beendet und der Kirche einen Platz im öffentlichen Raum gewährt zu haben

Da haben Sie ganz recht. Kaiser Konstantin gebührt das immerwährende Verdienst, die Christenverfolgung im römischen Reich beendet und der Kirche einen Platz im öffentlichen Raum gewährt zu haben. Ganz im Sinne der heidnischen römischen Tradition waren für ihn allerdings Religion und Staat untrennbar verschmolzen. Den Streit um die Trinitätslehre hat er nicht wirklich verstanden, und auch wenn er dem Credo von Nizäa die Treue hielt, so wollte er einen Kompromiss finden um der Einheit des Reiches willen. Die Nachfolger Konstantins wandten sich zum Teil offen gegen den rechten Glauben. Die Nähe der Kirche zur Politik ist ein zweischneidiges Schwert!

In der arianischen Krise sind auch viele Bischöfe wankelmütig geworden?

Ja, leider haben nicht wenige Bischöfe auf den unzähligen Synoden, die in dieser Zeit gehalten wurden, versucht, den trinitarischen Glauben zu verwässern. Der große Basilius von Caesarea hat die schwierige Lage nach dem Konzil von Nizäa mit der Seeschlacht in stürmischer Nacht verglichen: «Das heisere Geschrei derer, die sich im Streit gegeneinander erheben, das unverständliche Geschwätz, die verworrenen Geräusche des pausenlosen Lärms, all das hat fast schon die ganze Kirche erfüllt und so durch Hinzufügungen oder Auslassungen die rechte Lehre der Kirche verfälscht.»

Ihr leidenschaftliches Engagement in der arianischen Krise hat Ihnen große persönliche Opfer gekostet. Zwischen 336 und 366 wurden Sie für insgesamt 17 Jahre aus Alexandrien verbannt oder zur Flucht genötigt. Die Zeit im Exil verbrachten Sie teils in der ägyptischen Wüste, teils in weit entfernten Orten wie Rom und Trier.

Man hat sogar das Wort Athanasius contra mundum geprägt: «Athanasius gegen die Welt». Aber ganz so war es auch nicht. Mein erzwungener Aufenthalt im lateinischen Westen schenkte mir eine Erfahrung der Gemeinschaft im katholischen Glauben, die Sprach- und Volksgrenzen übersteigt. Beeindruckt hat mich die Treue des Westens zum Credo von Nizäa, nicht zuletzt dank des Bischofs von Rom, auf dessen Unterstützung und Hilfe ich zählen konnte.

Der Verfasser lehrt am Mater Ecclesiae College, St Mary's University Twickenham, London.

BIOGRAFIE & LESETIPP

Athanasius von Alexandrien

Um 300 in Alexandrien geboren. 325 Teilnahme am Konzil von Nizäa als Diakon, 328 Wahl zum Bischof von Alexandrien, Zwischen 336 und 366 insgesamt 17 Jahre in Exil und Verbannung, 373 in Alexandrien gestorben am 2. Mai (liturgischer Gedenktag).

Werke

In deutscher Übersetzung (BKV-online) abrufbar unter
https://bkv.unifr.ch/works

Fontes Christiani: Athanasius: Vita Antonii - Leben des Antonius. Lateinisch-Deutsch, 2018, ISBN: 978-3-451-30974-8, € 50,–

Von Band I der Athanasius Werke sind im Verlag Walter de Gruyter folgende Faszikel erschienen:
Metzler, Karin / Dirk U. Hansen, und Kyriakos Savvidis, Athanasius Werke. Band I/Teil 1: Die Dogmatischen Schriften. Epistula ad episcopos Aegypti et Libyae, Orationes I et II contra Arianos, Oratio III contra Arianos.
Savvidis, Kyriakos, Athanasius Werke. Band I/Teil 1: Die dogmatischen Schriften. Epistulae I–IV ad Serapionem, hg. von Dietmar Wyrwa, Epistulae Dogmaticae Minores, hg. von Dietmar Wyrwa.

Weitere Bände siehe:
https://www.athanasius.theologie.uni-erlangen.de/aw-II.html
https://www.athanasius.theologie.uni-erlangen.de/aw-III-3.html

Benedikt XVI.: Generalaudienz vom 20. Juni 2007
http://www.vatican.va/content/benedict-xvi/de/audiences/2007/documents/hf_ben-xvi_aud_20070620.html

© Die Tagespost vom 12.06.2020, Seite 12 (siehe Online-Fassung unter www.die-tagespost.de)

Wir danken der Redaktion der Tagespost und der Johann Wilhelm Naumann Verlag GmbH für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung in unserem Webportal.

Weiterführender Link

Weitere Beiträge der Interview-Serie über die Kirchenväter

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